Was ist ein Virenscanner? Definition & Erklärung

Letzte Aktualisierung: 01.11.2022 | Von
Was ist ein Virenscanner (häufig ist auch von "Antivirensoftware" oder einem "Antivirenprogramm" die Rede) und wozu braucht man diesen?

Viren, Trojaner, Würmer & Co. sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Neben der Verwendung einer Firewall sowie dem regelmäßigen Einspielen aktueller Sicherheitsupdates für Betriebssystem und Anwendungen können Sie Ihren Computer durch den Einsatz eines Virenscanners weiter schützen.

Im Folgenden erfahren Sie, wie Virenscanner funktionieren und was Sie bei ihrem Einsatz beachten sollten.

Wofür schützen Virenscanner?

Virenscanner schützen den Computer vor Viren und anderen Schadprogrammen. Die Bezeichnung "Virus" hat sich als Oberbegriff für digitale Schädlinge wie Computerviren, Trojaner oder Würmer eingebürgert. Im Allgemeinen versuchen sich digitale Schädlinge unbemerkt auf den Computer zu installieren, um ihrem subversiven Treiben nachzugehen und sich später bei jedem Rechnerstart automatisch zu aktivieren.

Die Symptome, die der Computer aufweist, falls er von einem Schadprogramm befallen ist, können unterschiedlich sein. Manche digitale Schädlinge löschen Dateien von der Festplatte. Einige (meist "Trojaner") öffnen unbemerkt ein Hintertürchen, durch das der Virenprogrammierer per Internet die Kontrolle über den Rechner erlangt. Andere Plagegeister versenden eigenmächtig ungefragt E-Mails oder starten Angriffe auf andere Computer im Internet.

Nachfolgend die größten Bedrohungen im Internet:
  • Rootkits: Die neue Schädlingsgeneration nutzt ausgeklügelte Tarntechnik, um Virenschutzprogrammen zu entgehen. Die Tarnkünstler manipulieren Datenströme von Windows, indem sie Hinweise löschen, die den Virenschutz auf ihre Spur bringen könnte. So verstecken sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere Schadprogramme. Ihr Ziel ist es, möglichst lange unerkannt auf dem PC zu bleiben, etwa um ihn für den Spamversand zu missbrauchen.
  • Trojaner: Diese Schädlinge senden heimlich brisante Daten, etwa Kennwörter oder Kreditkartendaten, übers Internet an Kriminelle. Aktuell nutzen Cyberkriminelle Trojaner häufig, um Bots (Computerprogramme, die weitgehend autonom ständig gleichen Aufgaben nachgehen) auf Privat-PCs einzuschleusen.
  • Würmer: Würmer sind kleine Schadprogramme, die sich über das Internet verbreiten und Lücken im System ausnutzen.
  • Drive-by-Downloads: Über präparierte Internetseiten jubeln Cyberkriminelle Internetnutzern ihre Schadsoftware beim bloßen Besuch einer infizierten Seite unter. Der ahnungslose Nutzer muss nicht mal etwas anklicken. Die Schädlinge gelangen über Schwachstellen des Browsers in den PC.
  • Lesen mehr unter Viren, Würmer, Trojaner und Co – Unterschiede erklärt.

Wie funktionieren Virenscanner?

Die Virenscanner gehen mit unterschiedlichen Suchtechniken auf die Jagd. Neben den Standardverfahren über Virensignaturen ↓ und heuristische Schädlingserkennung ↓ bauen die Hersteller die verhaltensbasierte Erkennung ↓ ein. Sie soll Schädlinge aufspüren, blockieren und entfernen, bevor die anderen Verfahren greifen

Virensignaturen

Die zuverlässigste Erkennungs- und Entfernungsmethode ist zu­gleich die zeit- und arbeitsintensivste. Die Virenexperten der Soft­ware-Hersteller analysieren jeden neuen Schädling und erstellen eine Art Steckbrief, mit dem sich das Schadprogramm eindeutig identifizieren lässt. Die Schutzprogramme bekommen diese Infor­mationen über eine Aktualisierung per Internet und vergleichen die untersuchten Dateien mit den Steckbriefen. Wird der Vi­renscanner fün­dig, weiß er ge­nau, um welchen Virus es sich han­delt und wie er den Schädling entfernt.

Heuristik

Bei der heuristischen Erkennung prüfen Virenschutzprogramme den Code verdächtiger Software auf typische Schadmerkmale. Da­tenstruktur und Art der Programmierung geben Hinweise auf Schädlinge. Anders als bei der Suche mit Virensignaturen sucht das Internet-Schutzprogramm hier nach weniger eindeu­tigen Merkmalen. Das funktioniert ähnlich wie eine Rasterfahn­dung der Polizei, bei der beispielsweise mittelgroße Brillenträger mit Schnurrbart verdächtigt sind. Die Heuristik ist die schnellste, aber nicht die zuverläs­sigste Methode der Schädlingserken­nung.

Verhaltensbasierte Erkennung

Die neueste Technik beobachtet, wie sich eine auf dem PC instal­lierte Software verhält – wie ein Kaufhaus-Detektiv einen Kunden im Auge behält, der dabei ist, Ware in seine Jackentasche zu ste­cken. Will ein Programm etwa heimlich eine Internetverbindung öff­nen oder die Registrierungs-Datenbank verändern, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Schadsoftware.

Häufige Zusatzfunktionen von Virenscannern

Antivirus Programme sind auch als Security Suites bekannt, da sie zahlreiche Zusatzfunktionen beinhalten. Die häufigsten listen wir im Folgenden auf:
  • Firewall: Die Schutzmauer zwischen Computer und Internet muss den Datenverkehr in beide Richtungen überwachen – vom PC ins Internet und umgekehrt. Zwar verhindert eine Hardware-Firewall, etwa in einem DSL-WLAN-Router, Angriffe von außen. Versucht aber ein PC-Programm heimlich eine Verbindung ins Internet herzustellen, ist die Software-Firewall gefragt. Sie sollte automatisch erkennen, welche Programme eine Internetverbindung benötigen, und Regeln für den Zugang anbieten.
  • Spam-Filter: Er muss das Postfach von Werbe-Mails freihalten. Ein harter Job, denn die Spamflut wächst ständig: Laut einer aktuellen Studie[1] sind 56 Prozent aller E-Mail-Nachrichten (in der Wirtschaft) Spam. Diese Werbewelle nervt nicht nur, sie ist auch ein Sicherheitsproblem: Denn zwischen den unzähligen Reklamebriefen befinden sich immer wieder Betrüger-Mails (Phishing) oder Nachrichten, die Malware im Schlepptau haben. Sortiert ein Sicherheitspaket unerwünschte Post aus, sinkt die Gefahr, dass man aus Versehen eine Nachricht mit einem Schädling öffnet.
  • Passwortgeneratoren und –manager: Es wird empfohlen, für jede Website, die Sie häufig (oder weniger oft) besuchen, ein einzigartiges Passwort zu verwenden. Sich sichere Passwörter auszudenken und diese alle im Kopf zu behalten, kann allerdings schwierig sein. Passwortgeneratoren helfen bei der Erstellung von Passwörtern und Passwortmanager helfen dabei, diese zu verwalten. Letzteres erlaubt Ihnen, einzigartige, fast unknackbare Passwörter für jede einzelne Website zu haben und sich gleichzeitig auf allen Seiten mit nur einem einzigen Masterpasswort einloggen zu können, was sehr nützlich ist.
  • Sichere Tastatur: Key-Logger sind Hacker, die Schadprogramme nutzen, um zu verfolgen, was Sie auf Ihrer Tastatur schreiben. Dies erlaubt ihnen, Passwörter oder Kreditkarten- und Zahlungsinformationen herauszufinden. Um dieses Verfolgen zu verhindern, erkennt die Sicherheitssoftware automatisch, wenn Sie ein Zahlungsportal wie z.B. Paypal öffnen, Ihr Online Banking benutzen oder Daten in einem Online Shop eingeben. Sobald die Software dies erkennt, fügt sie ein zusätzliches Level an Sicherheit hinzu, das Key-Logger davon abhält, Ihre Tastatureingaben zu verfolgen.
  • Virtuelle Tastatur: Behandlung des gleichen Problems wie die "Sichere Tastatur", nur auf eine andere Art. Hierbei öffnet die Security Suite eine virtuelle Tastatur (auf Ihrem Bildschirm dargestellt), auf der Sie mit Ihrer Maus tippen können. Auch dies hält Key-Logger davon ab, Ihre Tastatureingaben zu verfolgen, da es keine gibt.
  • Kindersicherung / Parental Control: Leider ist das Internet sowohl ein schöner, als auch ein potenziell gefährlicher Ort. Parental Control, die oft in einem höheren Level an Sicherheitssoftware enthalten ist (wie z.B. Internet Security oder Total Security), erlaubt Ihnen, Ihre Kinder und Familienmitglieder vor diesen gefährlichen Orten zu schützen. Es schränkt den Zugang zu Orten ein, die eine große Wahrscheinlichkeit haben, Ihre Kinder unangemessenen Informationen auszusetzen, die verlangen, sensible Daten oder private Informationen preiszugeben, die versuchen, sie dazu zu bringen unerwartete Einkäufe zu tätigen oder die sie Sexualstraftätern aussetzen könnten.
  • Dateienvernichter, Verschlüsselung und Backups: Mit automatischen Backups werden Ihre wichtigsten Dateien sicher aufbewahrt, ganz egal was passiert. Die Verschlüsselung dieser Dateien schützt sie außerdem vor unauthorisierten Nutzern und die Dateienvernichter ermöglichen Ihnen, sensible Daten permanent zu löschen.

Tipps zum Umgang mit Virenscannern

Damit ein Antivirus-Programm Ihren PC kontinuierlich schützen kann, empfiehlt es sich, die folgenden Hinweise zu berücksichtigen:
  • Antivirus-Programm automatisch starten
    Falls nicht bereits der Fall, richten Sie Ihren Virenscanner so ein, dass er zusammen mit dem Betriebssystem startet. So vermeiden Sie, den Virenschutz versehentlich einmal nicht zu aktivieren.
  • Scannen im Hintergrund
    Lassen Sie den Virenscanner immer im Hintergrund laufen, damit er alle Dateien auf Schädlinge überprüft. Das kostet zwar ein klein wenig Rechenleistung, doch das sollte Ihnen der vorbeugende Gesundheitsschutz Ihres PCs wert sein.
  • Virensignaturen regelmäßig aktualisieren
    Laden Sie regelmäßig die aktuellsten Virensignaturen herunter. Antivirus-Programme nehmen Ihnen diese Arbeit ab und ermitteln von sich aus, ob Aktualisierungen zum Download bereitstehen. Deaktivieren Sie die automatische Aktualisierung nicht!
  • Abo verlängern
    Verlängern Sie Ihr Virenscanner-Abonnement rechtzeitig, falls Ihr Abonnement ausläuft.
  • Eingehende E-Mails prüfen
    E-Mails sind ein beliebtes Verbreitungsmittel für Viren und andere Schädlinge. Gerne reisen sie huckepack als Anhang mit der elektronischen Post mit. Schützen Sie sich vor dieser unliebsamen Post und lassen Sie Ihren Virenscanner alle eingehenden E-Mails prüfen.
  • Ausgehende E-Mails scannen
    Freunde, Bekannten und Kollegen werden es Ihnen danken, wenn Sie von Ihnen keine Virenpost erhalten. Daher sollte Ihr Virenscanner auch alle ausgehenden E-Mails auf digitale Schädlinge überprüfen.

Welcher Virenscanner ist der Beste?

Welche Schutzsoftware Schadprogramme am besten erkennt und abserviert, hat die Stiftung Warentest in einem Internet Security Test untersucht. Gut schützten u. a. die kostenpflichtigen Antivirenprogramme Bitdefender Internet Security und F-Secure SAFE.

Kostenlose Virenscanner reichen jedoch in der Regel aus. Den Viren- und Sicherheitsprogrammen zum Nulltarif fehlen im direkten Vergleich zu kostenpflichtigen Programmen oft nur Komfort- und Zusatzfunktionen.

Kostenlose Virenscanner: In unserem Antivirus Test vergleichen wir kostenlose und kostenpflichtige Virenscanner miteinander.

Online Virenscanner

Wer nur gelegentlich die gesamte Festplatte auf Viren untersuchen möchte, kann dazu auch einen Online-Virenscanner verwenden.

Der wesentliche Vorteil von Online-Virenscannern: Der Nutzer braucht keine zusätzliche Software und muss sich auch nicht um die ständige Aktualisierung der Signaturdaten kümmern. Ein aktueller Internet-Browser genügt. Damit dieser aber auf das lokale Dateisystem zugreifen kann, installieren die Anbieter der Online-Angebote zumeist ein ActiveX-Control auf dem Kundenrechner, das den eigentlichen Scan-Vorgang startet. Im Unterschied zu anderen ActiveX-Controls ist die Angst vor Schäden oder Ausspähung hier unbegründet. Bei den Anbietern handelt es sich in der Regel um vertrauenswürdige Antiviren-Unternehmen.

Der ausschließliche Einsatz eines Online-Virenscanners hat aber auch einen großen Nachteil: Er schützt den Rechner nicht vor dem Eindringen von Viren via Internet oder E-Mail. Das kann lediglich der Echtzeit-Virenwächter einer vollständigen Antiviren-Suite. Der Online-Virenscanner kommt daher häufig erst zum Einsatz, wenn es bereits zu spät ist

Die besten Online-Virenscanner
Online-Virenscanner Scanoptionen Betriebssystem
F-Secure Icon F-Secure Online Scanner Vollständiger Systemscan Windows 10, 8, 7
Eset Icon Eset Online Scanner Vollständiger Systemscan Windows 10, 8, 7, Vista, XP
Trend Micro Icon Trend Micro HouseCall Schneller, vollständiger & benutzer­definierter Systemscan Windows 10, 8, 7, Vista, XP & Mac

Virenscanner sind kein Allheilmittel

Genauso, wie Ihnen der Arzt trotz Grippeschutzimpfung weitere Vorsichtsmaßnahmen für die kalte Jahreszeit empfiehlt, gilt auch für den Computer: Lassen Sie sich durch den Einsatz eines Antivirus-Programms nicht zur Sorglosigkeit verleiten. Löschen Sie deshalb im Zweifelsfall verdächtige Dateien und E-Mails lieber sofort und machen um obskure Webseiten im Internet einen großen Bogen.

Mit dieser Kombination aus Antivirus-Programm und umsichtiger Wachsamkeit leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zum Schutz Ihres Computers.

Einzelnachweise

  1. bsi.bund.de - E-Mails und Spam-E-Mails in der Wirtschaft in Deutschland

Letzte Aktualisierung am 01.11.2022
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