Ist Kaspersky noch sicher? Regierungen warnen vor Kaspersky

Letzte Aktualisierung: 08.06.2026 | Von
Die USA, Italien, Litauen und die Niederlande haben den Antiviren-Softwarehersteller Kaspersky auf die Verbotsliste gesetzt. Auch in Deutschland wird vor Kaspersky gewarnt. Ist die Verwendung von Kaspersky-Software noch sicher?

Ist Kaspersky noch sicher?
Bis vor dem Ukraine-Krieg war Kaspersky ein Big Player in Deutschland, wenn es um die IT-Sicherheit ging. Und jetzt? Das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt[1] seit März 2022 „vor dem Einsatz von Virenschutzsoftware des russischen Herstellers Kaspersky". Das BSI empfiehlt, Anwendungen aus dem Portfolio des Unternehmens Kaspersky durch alternative Produkte zu ersetzen." Grund: ein erhebliches Risiko eines erfolgreichen IT-Angriffs.

Das Ende eines großen Namens?!

Ist die Verwendung von Kaspersky-Software noch sicher?

Das russische Unternehmen hat die Vorwürfe, ein Werkzeug der russischen Regierung zu sein, stets zurückgewiesen. Kaspersky spricht von einer rein politischen Entscheidung[2].

Grundsätzlich ist Kaspersky ein kompetentes Virenschutzunternehmen. Bis heute gibt es keine technischen Belege für eine Manipulation oder Infiltration durch Ausnutzung von Kaspersky-Software. Nichtsdestotrotz stellt die Software eine Gefahr dar. Das Problem ist, dass unklar ist, ob der russische Staat Druck auf das Unternehmen bzw. dessen Mitarbeiter ausübt. Als russischer Präsident könnte Putin jedes Unternehmen dazu zwingen, ihn im Cyberkrieg zu unterstützen. Besonders gefährdet sind öffentliche Einrichtungen sowie Unternehmen, die zur kritischen Infrastruktur zählen, beispielsweise Energieversorger, Krankenhäuser und Transportunternehmen.

Die Bedenken des BSI werden von IT-Sicherheitsexperten gestützt. Diese weisen darauf hin, dass Antivirensoftware aufgrund ihrer Funktionsweise zwangsläufig eine permanente, verschlüsselte Verbindung zu den Servern des Herstellers unterhält. Über diese Verbindung könnten manipulierte Versionen der Software verbreitet und installiert werden, was faktisch einem staatlich geförderten Trojaner gleichkäme. Die Bedenken des BSI unterstreichen die wachsende Besorgnis über die Risiken von in geopolitisch instabilen Ländern entwickelter Software.

Wir empfehlen den Umstieg auf Kaspersky-Alternativen. Es gibt genügend Alternativen, die teilweise sogar besseren Schutz bieten. So fällt beispielsweise die Software Bitdefender Internet Security in aktuellen Antivirus Tests immer wieder positiv auf.

Kurzes Update vom 08.06.2026: Auch vier Jahre nach der offiziellen Warnung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der Nutzung von Kaspersky-Software hat sich die Einschätzung der Behörde nicht geändert. Zuletzt hatte das BSI seine Warnung vor knapp 2 Jahren erneut bekräftigt. In der Mitteilung wurde noch einmal ausdrücklich betont, dass von der Verwendung von Kaspersky-Sicherheitssoftware – insbesondere in kritischen Infrastrukturen und bei sensiblen Behördenanwendungen – weiterhin abzuraten ist. Auch privaten Nutzern wird empfohlen, auf alternative Produkte auszuweichen. Anders als in den USA, wo Kaspersky im Jahr 2024 auf eine Liste nicht zugelassener Anbieter gesetzt und ein vollständiges Verkaufs- und Downloadverbot durchgesetzt wurde, ist ein derartiges Verbot in Deutschland aktuell kein Thema.

Zahlreiche Regierungen warnen vor Kaspersky

Nicht nur in Deutschland wird vor Kaspersky gewarnt. Das Unternehmen gerät immer wieder wegen seiner russischen Wurzeln in die Kritik. Inzwischen warnen viele Regierungen vor Kaspersky.

Kaspersky-Verbot in den USA

USA
Im September 2019 erließ der Federal Acquisition Regulation Council eine Richtlinie[3], die Bundesbehörden den Kauf von Kaspersky-Produkten untersagt. Die Richtlinie enthielt keine Begründung und betraf nur staatliche Stellen. Zuvor hatte das Heimatschutzministerium bereits 2017 eine verbindliche operative Richtlinie erlassen, die Bundesbehörden anweist, keine Kaspersky-Produkte mehr zu verwenden.

Im Juni 2024 haben die US-Behörden die Verwendung der Antiviren-Software von Kaspersky vollständig verboten. Ab dem 20. Juli 2024 ist der Verkauf von Kaspersky-Software an Unternehmen und Privatpersonen in den USA untersagt. Ab dem 29. September 2024 dürfen keine Updates mehr bereitgestellt werden, wodurch die Software gegen neue Bedrohungen weitgehend unbrauchbar wird. Auch der Weiterverkauf der Software ist ab diesem Datum untersagt.

Litauen verbietet Produkte von Kaspersky auf kritischen Systemen

Litauen
Auf einer Sitzung der litauischen Regierung am 20. Dezember 2017 wurde beschlossen[4], dass die Software von Kaspersky Lab "eine potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit" darstelle und Betreiber kritischer Infrastrukturen verpflichtet seien, sie "durch sichere Alternativen" zu ersetzen. Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Sektors, die sich nicht an das Verbot halten müssen, wurde empfohlen, die Risiken, die die Antivirensoftware von Kaspersky für ihre Systeme darstellt, individuell zu bewerten.

Niederlande verbannen Kaspersky-Software aus Behörden

Niederlande
Die niederländische Regierung hat 2018 eine Untersuchung gegen Kaspersky eingeleitet[5]. Obwohl es keine Beweise für ein Fehlverhalten von Kaspersky gab, wurde die Antivirensoftware als zu riskant eingestuft und ihre Verwendung in Regierungsbehörden verboten.

Italien will Kaspersky-Programme ersetzen

Italien
Italien will die Verwendung von Kaspersky-Produkten in der öffentlichen Verwaltung einstellen und empfiehlt öffentlichen und privaten Unternehmen, russische Cybersicherheitssoftware aufgrund von Sicherheitsbedenken zu ersetzen. In einer Mitteilung[6] erklärte die italienische Nationale Agentur für Cybersicherheit (NCA), dass es angesichts der russischen Invasion in der Ukraine notwendig sei, "IT-Lösungen, die von Unternehmen mit Verbindungen zur Russischen Föderation bereitgestellt werden, auf Sicherheitsaspekte hin zu überprüfen". Sicherheitssuiten für Computer, "insbesondere solche, die sehr tief in das System eingreifen, in dem sie arbeiten", seien riskant.

Zusammenfassung

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
  • Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt seit März 2022 vor dem Einsatz von Kaspersky-Software. Es sieht ein erhebliches Risiko für einen erfolgreichen IT-Angriff. Waren im Jahr 2022 noch vereinzelt Bundesstellen mit Kaspersky-Software im Einsatz, ist das heute nicht mehr so.
  • Kaspersky weist die Vorwürfe zurück, ein Werkzeug der russischen Regierung zu sein.
  • Es gibt bislang keine technischen Beweise für eine Manipulation oder Infiltration durch Kaspersky.
  • Dennoch gibt es Befürchtungen, dass Russland Druck auf Kaspersky ausüben könnte, die Software für Cyberangriffe zu nutzen.
  • Besonders gefährdet sind öffentliche Einrichtungen und kritische Infrastrukturen wie Energieversorger oder Krankenhäuser.
  • Viele IT-Experten empfehlen daher den Umstieg auf alternative Antivirensoftware wie Bitdefender.
  • Auch Regierungen anderer Länder wie die USA, Litauen, die Niederlande und Italien warnen vor Kaspersky und verbieten teilweise die Nutzung.
  • Insgesamt wird Kaspersky aufgrund seiner russischen Herkunft von immer mehr Seiten als Risiko eingestuft und der Umstieg empfohlen.

Einzelnachweise

  1. bsi.bund.de - BSI warnt vor dem Einsatz von Kaspersky-Virenschutzprodukten
  2. spiegel.de - Kaspersky wirft Bundesamt »ungerechtfertigten Angriff« vor
  3. sueddeutsche.de - US-Regierung verbietet Behörden Nutzung von Kaspersky-Software
  4. heise.de - Litauische Behörden setzen Nutzung von Kaspersky-Software aus
  5. spiegel.de - Kaspersky Lab: Niederlande verbannen Software aus Behörden
  6. krone.at - Italien nimmt Software von Kaspersky ins Visier

Letzte Aktualisierung am 08.06.2026: Update zur Situation 2026.