Zum Inhalt springen
Security

IoT-Sicherheit: Heimnetz bleibt größte Schwachstelle

IoT-Sicherheit: Heimnetz bleibt größte Schwachstelle

Bitdefender und Netgear haben den „IoT Security Landscape Report 2026“ veröffentlicht – mit alarmierenden Ergebnissen. Der Bericht zeigt: Das vernetzte Zuhause ist schon lange kein harmloses Nebeneinander von Smart-TV, Steckdose und NAS mehr. Es stellt eine Angriffsfläche dar, die von Cyberkriminellen systematisch ins Visier genommen wird.

Die Datenbasis: 10,4 Millionen Haushalte im Visier

Für den Report haben die Forscher von Bitdefender und Netgear Telemetriedaten aus rund 10,4 Millionen smarten Haushalten weltweit ausgewertet. Der Erfassungszeitraum reichte von Januar bis September 2026, in dem 5,4 Milliarden Sicherheitsereignisse und etwa 1,2 Milliarden Schwachstellen-Beobachtungen registriert wurden.

IoT Security Landscape Report

Smart-TV, Steckdose und NAS: Die drei großen Schwachstellen-Herde

Die auffälligste Erkenntnis betrifft die Gerätekategorien. Smart-TVs, smarte Steckdosen und Netzwerkspeicher (NAS) machen zusammen etwa zwei Drittel aller beobachteten Schwachstellen aus. Konkret entfielen 270,3 Millionen Beobachtungen auf Fernseher, 266,7 Millionen auf smarte Steckdosen und 261,6 Millionen auf NAS-Geräte. Das entspricht 22,7 Prozent für Smart-TVs, 22,4 Prozent für smarte Steckdosen und 22 Prozent für NAS-Geräte – zusammen also 67,1 Prozent aller registrierten Schwachstellen.

Was zunächst wie eine technische Randnotiz klingt, hat einen handfesten Hintergrund: Viele dieser Geräte bleiben weit über ihre Support-Laufzeit hinaus in Betrieb. Ein Fernseher wird beispielsweise selten ersetzt, nur weil der Hersteller keine Sicherheitsupdates mehr liefert.

Eine smarte Steckdose verschwindet oft über Jahre hinweg hinter der Schrankwand, ohne dass ihre Firmware geprüft wird. Und ein NAS-Gerät verwahrt oft unersetzliche Dateien, während die darauf laufende Software kaum Beachtung findet. Der Bericht macht deutlich, dass die Support-Dauer eines Geräts beim Kauf mindestens so wichtig sein sollte wie Preis und Funktionen.

Ein Gerät, vier Rollen

Die zweite zentrale Botschaft des Reports ist ein Perspektivwechsel. Ein verwundbares IoT-Gerät ist nämlich nicht nur ein potenzielles Ziel für einen direkten Angriff. Gleichzeitig kann es als Proxy fungieren und den Datenverkehr Dritter über die heimische Internetverbindung leiten. Zudem kann es als Sensor dienen, der Informationen sammelt. Darüber hinaus kann es als Einstiegspunkt (Foothold) in das restliche Heimnetzwerk dienen.

Smart-TVs sind das Paradebeispiel für diese Multifunktionalität, denn sie sind die einzige Gerätekategorie, in der alle vier Rollen zusammenfallen. In diesem Zusammenhang verweist der Bericht auf Proxy-Software, die in manchen Smart-TV-Apps steckt und den Fernseher unbemerkt in einen Relais-Knoten für fremden Datenverkehr verwandelt. Während der Besitzer einen Bildschirm sieht, sieht der Angreifer die Infrastruktur.

Der Angriffsalltag: 90 Prozent sind automatische Aufklärung

Die tägliche Bedrohungslage ist weniger spektakulär, als man vermuten könnte, dafür aber umso systematischer. So machten Port-Scans 4,85 Milliarden der rund 5,38 Milliarden Angriffsereignisse aus, was 90,1 Prozent entspricht. Bei diesen automatisierten Scans wird geprüft, welche Dienste an einer Internetadresse antworten. Auf diese Weise werden schwach gesicherte Geräte für größere Angriffe oder die Rekrutierung in Botnetze aussortiert.

Brute-Force-Angriffe folgten mit 466,6 Millionen Ereignissen auf dem zweiten Platz. Davon zielten 455 Millionen auf das Windows Remote Desktop Protocol (RDP) ab. Dabei handelt es sich um einen Dienst, der den Fernzugriff auf Computer ermöglicht, aber oft fälschlicherweise so konfiguriert ist, dass er aus dem Internet erreichbar ist.

Fast alle Schwachstellen sind bekannt – und patchbar

Besonders bemerkenswert ist, dass 99,97 Prozent der beobachteten Schwachstellen als Common Vulnerabilities and Exposures (CVEs) katalogisiert waren. Das bedeutet, dass sie öffentlich bekannt waren und in den allermeisten Fällen bereits mit einem Patch versehen wurden. Schwache Passwörter und Klartext-Authentifizierungen machten dagegen nur einen Bruchteil eines Prozents aus.

Die eigentliche Gefahr geht also nicht von unbekannten, exotischen Zero-Day-Lücken aus. Sie liegt in der Trägheit: in Geräten, die online bleiben, obwohl ihre Support-Frist abgelaufen ist. Geräte, deren Firmware niemand aktualisiert. Und in Nutzern, die nicht wissen, welche Dienste ihr Router nach außen hin sichtbar macht.

Das Heimnetz als Einfallstor für Unternehmen

Der Report hat eine Dimension, die über das private Wohnzimmer hinausgeht. Durch Remote-Arbeit und Hybrid-Modelle sind Heimnetzwerke inzwischen eng mit Unternehmensinfrastrukturen verknüpft. Ein kompromittierter Smart-TV oder ein verwundbares NAS im Homeoffice kann als Sprungbrett in das Unternehmensnetzwerk dienen. Bitdefender und Netgear bezeichnen das vernetzte Zuhause in diesem Zusammenhang als „weichen Unterbauch“ der Enterprise-Sicherheit.

Die zentrale Empfehlung der Forscher lautet daher, dass der Schutz auf Router-Ebene ansetzen muss. Angesichts der Gerätevielfalt und der Tatsache, dass Angreifer KI einsetzen, um die Zeit von der Entdeckung einer Lücke bis zum Angriff von Tagen auf Stunden zu verkürzen, ist es nicht mehr möglich, jedes einzelne Gerät im Blick zu behalten. Der Router als zentraler Netzwerk-Knotenpunkt wird somit zur entscheidenden Verteidigungslinie.